BERUFSBILD
 

Wozu braucht es Baumpflege?

 

Strassen-, Park-  und  Gartenbäume benötigen Pflege, weil sie besonders hohe Ansprüche erfüllen müssen: Sie werden an unnatürliche, durch Menschenhand stark veränderte und häufig  nur be-dingt geeignete  Standorte gepflanzt, wo ihre artspezifischen Ansprüche  nicht erfüllt  und  sie einem grossen Verletzungsrisiko durch Verkehrsunfälle, Rasenmäher und selbst Vandalismus ausgesetzt sind.

Hier sollen die Bäume gut gedeihen, kräftig  und  in wohlgefälliger Form  wachsen, doch die Um-gebung nicht übermässig beschatten, Sicht und Bewegungsraum nicht behindern und keinesfalls die Umgebung durch Bruch gefährden.

Die  fachgerechte Baumpflege  vereint diese Ansprüche  mit einer  möglichst natürlichen Erhaltung der Bäume – zum Wohlgefallen der Menschen und um der Bäume selbst willen. Fachgerechte Baumpflege folgt dem Gebot der baumbiologischen Gesetzmässigkeiten und erfolgt somit nach-haltig - letztlich auch zum langfristigen Nutzen der Menschen.

Damit leistet die Baumpflege einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität in dicht besiedelten  Gebieten, zum Erhalt der Ökologie im urbanen Raum und zur Bremsung des Klimawandels. Gera-de in städtischen Verhältnissen, wo der Kohlendioxid-Ausstoss besonders gross ist, zählt jeder Baum, der in seinem Holz Kohlenstoffverbindungen über Jahrzehnte konserviert.

Fachgerechte Baumpflege will erlernt sein. Sie setzt weitreichende Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten voraus, die eine spezielle Weiterbildung erfordern.

 

Berufsportrait des Baumpflegespezialisten, der Baumpflegespezialistin

Die BaumpflegespezialistInnen betreuen die Bäume von der Pflanzung bis zur Fällung:

Bei Neupflanzungen beraten sie in der standortgerechten Artenwahl. Der gegebene Standraum, die Boden-  und Um-weltverhältnisse, die artspezifischen Eigenschaften und Ansprüche und besondere Wünsche der Kundschaft bezüg-lich Lichtdurchlass, Blütentracht und Herbstfärbung werden berücksichtigt.

Sie bereiten den Standort artgerecht vor, kontrollieren die Qualität der Baumschulware und führen die Pflanzung fachgerecht durch – eine Arbeit von grosser Tragweite, hängt davon doch das  weitere Gedeihen des Baumes ab.

Sie erziehen Jungbäume in die gewünschte Kronenform, so dass in späteren Jahren keine massive und unverträg-liche  Eingriffe aus Sicherheitsgründen, wegen  Platzmangel  oder Schattenwurf  vorgenommen werden müssen.

Pflegearbeiten in der Baumkrone  werden  von den BaumpflegepezialistInnen  fast ausschliesslich  mit Hilfe der Seil-
klettertechnik  ausgeführt.  Kletternd erreichen  sie auch  die Randbereiche noch so grosser Kronen, um die Schnitt-
massnahmen im jungen Holz auszuführen, das weniger fäuleanfällig ist. Mit dem Körpergewicht im Seil und ohne Steigeisen an den Schuhen werden dabei weder Rinde noch Holz verletzt.

Sie pflegen gross gewachsene Baumkronen: Totes oder absterbendes Holz, sich konkurrierende Triebe, schlecht verankerte oder sich scheuernde Äste werden gezielt entfernt.

Sie lichten die Baumkronen aus, ohne  ihre typische Wuchsform zu zerstören. So wird auch die Bruchsicherheit nicht vermindert.

Zur Erhaltung der Verkehrssicherheit entlasten sie durch geeigneten Schnitt bruchgefährdete Baumkronen oder sichern sie zusätzlich mit Hilfe von Gurtensystemen.

Baumkronen, die durch unsachgemässen Kappschnitt  zerstört worden sind, bauen  sie durch fachgerechte Schnitt-
massnahmen etappenweise über Jahre wieder auf, sofern der Baum noch zu retten ist.

Auf besonderen Wunsch wird die Baumkrone in eine bestimmte geometrische Form geschnitten oder in reduzierter Grösse gehalten. Der Formschnitt bedarf jahrelange Aufbauarbeit und fortwährenden Unterhalt, um die Verfremdung des Kronenaufbaus im Rahmen der baumbiologischen Gesetzmässigkeiten zu vollziehen.

Werden Bäume von  Baumassnahmen in Kronen-  oder Wurzelraum tangiert, übernehmen die Baumpflegespezialist-
Innen den Baumschutz  vor, während und nach  der Bautätigkeit. Durch  geeignete Vorkehrungen wird baubedingten Beeinträchtigungen des Baumes  weitgehend vorgebeugt.

Sie kontrollieren  den Gesundheitszustand sowie die Stand- und Bruchsicherheit der Bäume und treffen  bei Bedarf  geeignete Massnahmen  zu  deren  Verbesserung. Im Schadenfall  nehmen sie eine Schadenersatzermittlung vor, die nach den Richtlinien des BSB durchgeführt wird.

Kranke, bruchgefährdete Bäume, deren Erhaltung nicht mehr möglich ist oder zu aufwendig wäre, werden von den Baumpflegespezialisten auch in dicht bebauter Umgebung rasch und sicher gefällt.

 

Weiterbildung zum Baumpflegespezialisten mit eidgenössischem Fachausweis

Die angehenden BaumpflegespezialistInnen verfügen in der Regel über eine abgeschlossene Berufslehre als ForstwartIn, LandschaftsgärtnerIn oder BaumschulistIn und arbeiten meist in einem Baumpflegebetrieb. Berufsbegleitend besuchen sie in sechs einzelnen Wochenkursen (Montag-Samstag) zwischen Mai und September den Lehr-gang zu BaumpflegespezialistInnen mit eidg. Fachausweis, der vom BSB Bund Schweizer Baumpflege in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftlichen  Bildungs- und Beratungszentrum Schluechthof in Cham alle zwei Jahre durchgeführt wird. In rund 270 Lektionen wird das theoretische, aber absolut praxisorientierte Grundlagenwissen von folgenden Fächern vermittelt.

In seiner Breite und Tiefe darf sich dieser Lehrgang in der Branche europaweit einzigartig nennen. Die praktische Baumpflegarbeit wird während mindestens zwei vollen Jahren im Lehrbetrieb erlernt, so auch die Klettertechnik zum Ersteigen der Baumkronen bis in ihre äussersten Spitzen, bevor die Berufsprüfung angetreten werden darf. Die Prüfung umfasst schriftliche, mündliche und praktische Examen in allen Fächern und dauert in der Regel vier Tage.

Bodenkunde    
Baumumfeld
Landschaftsarchitektur

Pflanzensystematik und Taxonomie

Pflanzenmorphologie und -anatomie

Gehölzphysiologie

Holzanatomie

Baummechanik

Abwehrmechanismen der Bäume

   

Gehölzkrankheiten und -schädlinge

Holzfäulen (holzzersetzende Pilze)

Abiotische Schäden

Artenkenntnisse, Arteigenschaften und Ansprüche

Kronenpflege und Kronenschnitt

Kronensicherung

Baumpflanzung und Anwachspflege

Baumschutz auf Baustellen

   

Baumfällung

Visuelle Baumansprache und Diagnosemethoden

Schadenersatzermittlung von Bäumen

rechtliche Grundlagen zu Gehölzen

Pflegekonzepte und Inventare

Materialkenntnisse

Arbeitssicherheit

   

Zulassungsbedingungen für die Berufsprüfung

Gemäss Artikel 3.31 der Prüfungsordnung vom 23. Februar 2006 wird künftig zur Prüfung zugelassen, wer

a)

über ein Fähigkeitszeugnis als GärtnerIn (Fachrichtungen Landschaftsgartenbau und Baumschule), LandwirtIn oder ForstwartIn verfügt, und

b)

vor der Prüfung während mind. 24 Monaten (exkl. Urlaub, Militärdienst, Krankheit und Unfall) als BaumpflegerIn gemäss detailliert geführtem Rapport tätig war, und

c)

einen forstlichen Motorsägelehrgang im zeitlichen Umfang von fünf Kurstagen mit Ausweis absolviert hat, und

d)

in den letzten sechs Jahren einen Nothelferkurs mit Ausweis absolviert hat, und

e)

einen Kurs für Fortgeschrittene in der Seilklettertechnik für Baumpflege mit Zertifikat absolviert hat.

f)

Falls ein anderes als unter a) aufgeführte Fähigkeitszeugnisse vorliegt, erhöht sich die unter b) vorausgesetzte Praxiszeit auf 48 Monate.

Der Praxisnachweis wird ausnahmslos von allen PrüfungsanwärterInnen verlangt! Er ist lückenlos im Umfang des oben genannten Zeitraums zu erbringen. Es ist deshalb dringlich angeraten, mit dem Rapport bereits bei der Aufnahme der praktischen Weiterbildung zu beginnen. Als Grundlage dient die Rapportvorlage , die als excel-Datei hier heruntergeladen werden kann (siehe unten).

 

  

Schulort des Lehrgangs für Baumpflege

Seit 2005  findet  der Lehrgang für Baumpflege  am Landwirtschaftlichen Bildungs- und  Beratungs-zentrum LBBZ  Schluechthof in Cham statt. Den  KursteilnehmerInnen stehen günstige und gute Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten am LBBZ zur Verfügung.

Der Lehrgang findet jeweils in den ungeraden Kalenderjahrten statt, die Berufsprüfung jeweils im darauf folgenden Jahr Ende August.

Interessierte  deponieren  für die Zustellung  der Anmeldeunterlagen ihre  Adresse bei der Geschäfts-stelle BSB (Mail, Anruf oder Fax). Mit Eröffnung des Anmeldeverfahrens werden die nötigen Unter-lagen auch zum Download bereit gestellt.