ASIATISCHER  LAUBHOLZBOCKKÄFER  UND  CITRUS-BOCKKÄFER

  aktualisiert am 29.12.2015

  

       
Der ALBtraum   Dokumentation    
         

Herkunft

Der Asiatische Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis), kurz ALB genannt, ist ein besonders gefährlicher und damit meldepflichtiger Schad-
organismus. Er befällt verschiedenste Laubholzarten, auch kerngesunde Bäume, und kann sie innert wenigen Jahren zum Absterben bringen. Die wirtschaftlichen Schäden für betroffene Gebiete sind immens hoch.

Der ALB ist in China und Korea heimisch. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden im nördlichen China grossflächig Windschutzgürtel aus Pappeln sowie Pappel-Plantagen zur Gewinnung von Industrieholz ange-
pflanzt. Die Monokulturen stellten einen idealen Lebensraum und ein reiches Futterangebot für den ALB dar, so dass es zu einer explosionsartigen ALB-Vermehrung kam.

Gemäss einem FAO-Bericht mussten in Nord-China seit den 80er-Jahren mehr als 200 Millionen Bäume wegen ALB-Befall gefällt werden, was einer Bestockungsfläche von rund 1'200 km2 entspricht.

Der ALB wurde von China in den 90er Jahren in die USA und in den 00-Jahren auch in Kanada, Österreich, Frankreich, Italien und England verschleppt. Im US-Bundesstaat Massachusetts führte der ALB-Fund 2008, der damals auf bereits zwölf Jahre unbemerkter Präsenz geschätzt wurde, zur Einrichtung einer Quarantänezone von 243 km2 und zur Rodung von fast 30'000 Bäumen! (Zum Vergleich: Kanton Basel-Stadt: 37 km2). Bei Toronto, Kanada, wurden über 26'000 Bäume gefällt!

 

Poster als PDF in A3-Format

 

Merkblätter:

Käfer ALB und Schadbild (WSL)

Käfer ALB und Schadbild (EPSD)

Käfer ALB und Schadbild (FBVA)

Käfer ALB und Schadbild (BBA-GALK-FLL)

Käfer ALB und Schadbild (BBA)

Käfer ALB und Schadbild (LfL)

Käfer ALB und Schadbild (BS)

Käfer ALB und Schadbild (ZH)

Verwechslungsmöglichkeiten (JKI)

 

ALB-Befallssituation in der Schweiz

Praktisch alle Funde lassen sich auf Importware aus China mit Verpackungen aus Rohholz zurückführen. Bislang ist nur in den USA eine Weiterverschlep-pung von bereits in den USA vorkommenden ALB nachgewiesen worden.

In der Schweiz datieren erste Funde von Herbst 2011 in den Kantonen Freiburg (Brünisried) und Thurgau. In Brünisried bestand der Fund aus lebenden Käfern und Eiablagen an Bergahornen, die umgehend gefällt wurden.

In Brünisried wurden neuerlicher Käferflug im Herbst 2013 und weitere befallene Bäume mit unterschiedlichen Larvenstadien entdeckt, ohne dass der Ursprungsort je festgestellt werden konnte. Inzwischen wurden in der Umgebung der Fundorte über 300 Bäume und Strauchgehölze vernichtet.

Im Mai 2012 hatten Spürhunde bei Basel (D-Weil am Rhein, Birsfelden) Larven und verdächtige Bäume gefunden. Im Mai 2014 wurde von Basel-Stadt eine Allgemeinverfügung zum Umgang mit ALB-befallenen Bäumen erlassen. Die Befallszonen betreffen Gebiete im Westen und Osten der Stadt sowie Birsfelden und Muttenz. 2015 erfolgten weitere Lebendfunde in D-Weil am Rhein sowie in D-Grenzach am Rheinufer, vis à vis von Birsfelden.

Ein grosser Befall mit 140 Käfern und noch mehr Larven und Puppen tauchte im Juli 2012 in Winterthur auf und führte zur sofortigen Fällung einer Allee von mehr als 60 Bäumen. Es soll sich um Käfer der dritten Generation gehandelt haben, also um einen bereits sechs Jahre andauernden Befall, da die Entwicklungszeit vom Ei bis zum erwachsenen Käfer ungefähr zwei Jahre dauert. Neue Funde im 2013 führten zu weiteren Fällungen. Im laufenden Jahr erfolgten bisher keine weiteren Funde, was Hoffnung aufkommen lässt. Allerdings wurden schwer kontrollierbare Gehölzbestände in der Fokuszone vorsorglich eliminiert.

Im Herbst 2012 wurden auch in den Kantonen Bern (Frutigen) und Luzern (Weggis, Hertenstein) Käferfunde gemacht.

Am 9. Juli 2014 wurde in Marly (FR), 10 km westlich von Brünisried, ein Massenbefall entdeckt und kurz darauf noch ein zweiter Befallsherd auf der andern Seite der Ortschaft. Weit über hundert frisch geschlüpfte Käfer wurden eingefangen, schon weit über hundert Bäume mussten gefällt werden.

Im Juli 2015 wurden im süddeutschen Grenzach gegenüber dem Birsfelder Hafen am Rheinufer neuerlich Eihüllen und eine lebende Larve gefunden. Der letzte Fund datierte vom März 2015 im Hafengebiet von Weil am Rhein nördlich von Basel. Die Quarantänezone der grenznahen Fundstellen greifen auf Schweizer Hoheitsgebiet über.

Ein neuer Befallsort (mehrere Käfer und Larven, ein Ahorn mit Ausflugslöchern) wurde im September 2015 in Berikon AG entdeckt.

 

Massnahmen

Die Überwachung in Befallsgebieten wird mit speziell ausgebildeten Kontrol-
leuren - vornehmlich BaumpflegespezialistInnen - und mit ALB-Spürhunden durchgeführt. Befallene und gefährdete Bäume werden gefällt, das Holz vor Ort gehäckselt und vernichtet. Das Verbringen von Holz aus der Befallszone ist strikte untersagt.

Die bisher in der Schweiz getroffenen Bekämpfungsmassnahmen sind in Art und Umfang unzureichend, weil sie zu kurz greifen. Sie beschränken sich auf:

- Kontrolle von Verpackungsholz aus ALB-Herkunftsländern am Zoll von
  gewissen Importgütern (Baumaterialien wie Steine, Keramikplatten, Rohre)

- Beseitigung von befallenen und gefährdeten Bäumen

- Überwachung der Umgebung von Fundstellen

Die Warenkontrolle aufgrund von Selbstdeklaration lässt Unsicherheiten offen, denn hierfür stehen nur einige wenige Spürhunde und begrenzte Personal-
ressourcen zur Verfügung. Die Holzverpackungen sind in den Containern schlecht zugänglich und schlecht einsehbar.

Nötig wäre, die Gefahr eines neuerlichen Einschleppens ganz zu verhindern, indem die Einfuhr von Rohholz-Verpackungsmaterial (nicht nur Paletten) aus ALB-Herkunftsländern und auch aus ALB-verseuchten Gebieten ausserhalb von China und Korea verboten wird oder die Ware an der Grenze umgepackt  und potentiell verseuchtes Verpackungsmaterial vor Ort vernichtet werden muss. Hierzu wäre ein dringlicher Bundesratsbeschluss erforderlich, der allerdings im Widerspruch zu den Aussenhandelsinteressen mit China stünde.

 

Schadenersatz

Stossend ist die haftpflichtrechtliche Situation in der Schweiz.

Für zwangsgerodete Obstbaumkulturen erhält der geschädigte Eigentümer einen Schadenersatz nach festgelegter Bemessungsmethode.

Für Schutzwald leistet der Bund eine Kostenbeteiligung an erforderlichen Bekämpfungsmassnahmen. Für Massnahmen gegen gefährliche Organismen, Rodung und Wiederherstellung von Wäldern ohne Schutzfunktion leistet der Bund nach bestehendem Waldgesetz keinen finanziellen Beitrag, dies ist erst im künftigen Waldgesetz - Inkraftsetzung vorausgesetzt - vorgesehen.

Für Ziergehölze im Siedlungsraum, also Bäume im öffentlichen Raum oder Privatbesitz, gibt es keine Unterstützung vom Bund. Kosten für Bekämpfungs-
massnahmen und Räumung fallen der Gemeinde und/oder dem Kanton anheim. Eine Bundesbeteiligung könnte erst das revidierte Waldgesetz bringen. Schadenersatz für die vernichteten Bäume wird aber eh nicht geleistet.

Der Sachverhalt, dass die anfallenden Kosten zur Tilgung eines einge-
schleppten gefährlichen Organismus den Steuerzahlern überantwortet werden, widerspricht dem Verursacherprinzip in krasser Weise.

 

 

Meldestellen:

Kantonale Pflanzenschutzdienste

Eidgenössischer Pflanzenschutzdienst

 

Politische Vorstösse:

Initiative NR von Siebenthal

Haltung Bundesrätin Leuthard

Interpellation NR Binder und Antwort

Interpellation NR Flach und Antwort

Interpellation NR Grin und Antwort

Interpellation NR Vogler und Antwort

 

Rechtliche Grundlagen:

Verordnung vorübergehende Massnahmen
Jan 2016

Berikon

Befallszone 1 Basel-Stadt

Befallszone 2 Basel-Stadt

Befallszone Basel-Landschaft

Verfügung Basel-Stadt
Mai 2014

Verfügung Winterthur
Juli 2012

Leitfaden zur ALB-Bekämpfung
Juli 2013

Verfügung EU Holzverpackungen
Apr. 2013

Verfügung CH Holzverpackungen
Feb. 2013

Verfügung CH Holzverpackungen
Dez. 2012

Verfügung CH Holzverpackungen
Juni 2012

ISPM-15-Norm

Pflanzenschutz-Verordnung

Waldgesetz

Waldverordnung

Umweltschutzgesetz

 

Anhörung zur Richtlinie ALB-Bekämpfung:

Stellungnahme BSB

Stellungnahme WVS

Stellungnahme VSSG

Stellungnahme VHPI

Stellungnahme Lignum

 

Konzeptpapiere:

Konzept zum Umgang mit biotischen Gefahren im Wald

 

Rechtliche Grundlagen:

EU-Richtlinie CLB 2012

CH-Pflanzenschutzverordnung CLB

 

 

Artikel und Medienmitteilungen:

CLB-Fund Sirnach TG (2014)

ALB-Fund Neubiberg (Bayern) (2014)

ALB-Fund Magdeburg (D) (2014)

ALB-Fund Marly FR (2014)

ALB-Fund Marly FR (2014)

ALB-Fund Marly FR (2014)

ALB-Fund Brünisried Fr (2014)

ALB-Fund Brünisried FR (2013)

ALB-Fund Gallspach (Österreich) (2013)

ALB-Fund Feldkirchen (Bayern) (2012)

ALB-Befallssituation Schweiz (Juni 2012)

Grosse Fällaktion in Bonn (Aug. 2012)

Fällaktion in England (Mai 2012)

ALB-Fund Kanton Freiburg (Sep. 2011)

ALB-Fund Thurgau (Sep. 2011)

ALB-Fund Basel (Juni 2012)

ALB-Fund Winterthur (Juli 2012)

ALB-Fund Weggis (Aug. 2012)

Übersicht ALB-Funde Schweiz (Aug. 2012)

Erster ALB-Fund in der Schweiz (2006)

FAO-Bericht  (2005)

 

Links:

EPSD - ALB-Informationen

Käferjagd in Winterthur

BeetleBusters

Spürhunde

US Forest Service

US Departement of Agriculture

Invasive Schadorganismen

 

Berichte:

Ausführliche Informationen zur Herkunft, Einschleppung und zum Schadenpotential CLB (JKI)

Käfer CLB und Schadbild (JKI)

Käfer CLB und Schadbild

Befallssituation CLB in der EU 2012

Befallssituation CLB in der EU 2013

 

Citrus-Bockkäfer CLB        

Der Citrus-Bockkäfer (Anoplophora chinensis) ist ebenfalls als besonders gefährlicher Organismus eingestuft und meldepflichtig. Der CLB ist dem ALB sowohl im Aussehen, als auch im Schadenpotential sehr ähnlich, wurde aber mit Baumschulware aus China weltweit verschleppt. Das Wirtsspektrum umfasst sehr viele Laubholzarten, selbst Rosen und Bonsai-Gehölze können befallen werden. Wird ein CLB-Befall entdeckt, muss das betroffene Gehölz umgehend vernichtet und die Umgebung einer intensiven Kontrolle unterzogen werden.

Die grösste Befallszone in Europa liegt in Norditalien, wo die weitere CLB-Verbreitung von den vielen, grossen Baumschulen in der Lombardei und in der Toscana ausging (und ausgeht?).

In der Schweiz gab es bislang nur einzelne CLB-Funde. 2006 wurden im Kanton Aargau eine Larve und ein Käfer entdeckt, 2013 eine Larve in Zürich und im August 2014 ein Käfer in Sirnach (TG) in einem Wohnquartier in der Nähe einer Baumschule. Dort wurde eine 1 km2 grosse Überwachungszone eingerichtet, die nun kontrolliert werden muss. Sirnach ist mit rund 7'500 Einwohnern eine ländliche Gemeinde mit reichlich Baumbestand, umgeben von Laubwäldern und Obsthainen!

Als besonders gefährdete Region ist aber das Tessin anzusehen, zum Einen aufgrund seiner Nähe zu den Befallsgebieten in der Lombardei, zum Andern, weil die Südschweiz einen sehr grossen Teil der Baumschulware aus Norditalien bezieht.

Die EU hat bereits 2008 Sanktionen beim Import von CLB-Risikoware aus China ergriffen und diese 2012 mit einer modifizierten Verordnung erneuert.